Midijob

Bei einem Midijob handelt es sich um einen Nebenjob mit einem Verdienst in der sogenannten Gleitzone zwischen regelmäßig 400,01 und 800 Euro monatlich bzw. max. 9.600 Euro jährlich.

In Sachen Nebenjobs ist der Midijob so etwas wie der „große Bruder“ des Minijobs. Der Midijob wurde von der Politik als Zwischenform von Minijob und einem voll sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis geschaffen.
 
 

Vorteile beim Midijob:

  • Der Vorteil eines Midijobs liegt in einer verringerten Belastung mit Sozialabgaben im Vergleich zu einem regulären und damit vollständig sozialversicherungspflichtigem Arbeitsverhältnis. Trotz dieser reduzierten Beitragszahlungen in die Sozialversicherungssysteme ist der Arbeitnehmer vollständig über die Sozialversicherungen abgesichert. Dies bedeutet man ist durch den Midijob krankenversichert und hat einen Anspruch auf Krankengeld sowie auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung (ALG I). Ebenfalls entstehen volle Ansprüche gegenüber der Rentenversicherung. Hierzu zählen auch Ansprüche auf z.B. Erwerbsminderungsrente, Rehabilitationsmaßnahmen, Riester Förderung sowie auf Altersrente. Aufgrund der begrenzten Verdienstspanne im Midijob zwischen 400,01 und 800 Euro fallen die Leistungen allerdings entsprechend niedrig aus.
  • Gerade für Selbständige ist der Midijob eine gute und v.a. günstige Möglichkeit sich über einen Nebenjob sozialversicherungspflichtig abzusichern und z.B. in die gesetzliche Krankenversicherung zu kommen.
  • Der Arbeitnehmer im Midijob ist meist besser in den Arbeitsprozess integriert, wohingegen Beschäftigte im Minijob oft als „Flexibilitätsreserve“ gesehen werden.
  • Für Arbeitgeber liegen die zu entrichtenden Sozialabgaben mit ca. 20 Prozent des Verdienstes niedriger als bei einem Minijob. Beim Minijob sind ca. 30 Prozent des Verdienstes pauschal zu entrichten.

Nachteile beim Midijob:

  • Bei einem Midijob gilt nicht wie beim Minijob brutto gleich netto. Die Einkünfte aus dem Midijob werden mit den weiteren Einkünften zusammengerechnet und sind entsprechend vollständig zu versteuern. Die Höhe der Steuerverpflichtung im Midijob bestimmt sich somit durch die persönliche Einkommenssituation des Arbeitnehmers.
  • Neben Steuern sind auch Sozialabgaben vom Arbeitnehmer im Midijob zu entrichten. Diese sind allerdings niedriger als bei einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.
  • Für den Arbeitergeber ist die Verwaltung von einem Midijob mit einem höheren Aufwand verbunden.
  • Arbeitnehmer die bereits einen sozialversicherungspflichten Arbeitsverhältnis (auch Auszubildende) nachgehen, können die vergünstigten Sozialabgaben eines Midijobs nicht nutzen.
 

Regeln für Midijob:

 
Der Verdienst bei einem Midijob liegt regelmäßig über 400 Euro aber nicht oberhalb von 800 Euro.
Mit einer Verdienstmöglichkeit von bis zu monatlich 800 Euro bzw. 9.600 Euro jährlich handelt es sich daher um einen relativ umfangreichen Nebenjob.
Zu der Obergrenze von 9.600 Euro jährlich werden auch Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld hinzugerechnet. Dies muss unbedingt vorab einkalkuliert werden um nicht den Status des „Midijobs“ zu verlieren!
Steuer- und abgabenfreie Zusatzverdienste wie Sachbezüge, Mitarbeiterrabatte, Zuschläge oder Kinderbetreuung werden der Einkommensgrenze bis 9.600 Euro nicht angerechnet und sollten wenn man in die Nähe der Verdienstobergrenze kommt genutzt werden.
 

Steuern beim Midijob:

 
Im Midijob ist dem Arbeitgeber die Lohnsteuerkarte vorzulegen. Eine pauschale Besteuerung wie beim Minijob gibt es beim Midijob nicht. Das Einkommen im Midijob wird zusammen mit Einkommen aus anderen Einkommensarten komplett versteuert. Das einkommensteuerliche Existenzminimum (Grundfreibetrag) liegt bei 8.004 Euro jährlich. Bis zu dieser Summe müssen Alleinstehende keine Einkommenssteuern entrichten.
 

Sozialabgaben beim Midijob:

 
Der Arbeitgeber muss beim Midijob die üblichen Sozialversicherungsbeiträge an die Sozialversicherungen abführen. Hierbei unterscheidet sich der Midijob für den Arbeitgeber nicht von einem regulären Beschäftigungsverhältnis.
 
Für den Arbeitnehmer im Midijob gelten reduzierte Sozialversicherungsbeiträge nach § 20 Abs. 2 SGB IV.
Diese beginnen ermäßigt bei etwas über 11 Prozent bei einem Verdienst von 400,01 Euro im Monat und steigen bis zur Verdienstgrenze von 800 Euro auf ca. 21 Prozent an. Am oberen Rand der Verdienstgrenze entsprechen die Sozialabgaben beim Midijob den Abgaben eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses.
Somit löst sich der Vorteil in Form von reduzierten Sozialabgaben für den Arbeitnehmer mit zunehmendem Einkommen in Richtung der Verdienstobergrenze von 800 Euro wieder auf. Die Durchschnittsbelastung mit Sozialabgaben bleibt aber niedriger als bei einem regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis.
 
 

Ausnahmeregelungen bei den Midijobs:

Studenten und Midijob:

Solange das Studium im Mittelpunkt der Tätigkeiten steht, sind für den Midijob lediglich Abgaben an die Rentenversicherung und evtl. Steuern abzuführen (Grundfreibetrag / steuerliches Existenzminimum bei 8.004 Euro jährlich). Zahlungen von Beiträgen für die weiteren Sozialversicherungen entfallen.

Personen mit Befreiung von Sozialversicherungspflichten:

Hierunter fallen z.B. Ärzte, Anwälte, Architekten oder Freiberufler in Kammerberufen. Diese sind in der Regel von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit und über ein berufsständisches Versorgungswerk versichert. Entsprechend sind hier keine Beiträge zu entrichten.

Privat Krankenversicherte:

Wer durch die Haupttätigkeit privat krankenversichert ist, für den entfallen im Midijob die Abgaben für die gesetzliche Krankenversicherung.
 
 

Ansprüche im Midijob an Sozialversicherungen:

 
Mit den geleisteten Beiträgen in die Sozialversicherungskassen lassen sich mit einem Midijob bei bereits relativ geringen Einkünften ab 400 Euro umfangreiche Ansprüche an die Sozialkassen aufbauen.
 

Rentenversicherung bei Midijob:

Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung werden als vollwertige Pflichtbeiträge angerechnet.
Somit hat man als Arbeitnehmer im Midijob kompletten Anspruch auf die Leistungen der Deutschen Rentenversicherungskasse.
Hierzu zählen auch Ansprüche auf Rehabilitätsionsmaßnahmen oder Erwerbsminderungsrente.
Weiter besteht Anspruch auf Riester-Förderung der privaten Altersvorsorge.
Rentenbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung können zusätzlich aufgestockt werden.
 

Krankenversicherung und Pflegeversicherung bei Midijob:

Der Arbeitnehmer im Midijob ist vollwertiges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sowie der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Somit steht dem Arbeitnehmer im Midijob der komplette Versicherungsschutz zu. Von Vorteil ist, dass sich die Höhe der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht nach der Höhe der bezahlten Beiträgen bemessen. (im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung).
Somit wird man als Midijobber im Krankheitsfall oder bei Pflegebedürftigkeit medizinisch unabhängig von der Höhe der Beiträge behandelt.
Das Krankengeld ist grundsätzlich einkommensabhängig, was entsprechend auch auf den Midijob zutrifft. Wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitergeber abgelaufen ist, erhält man das Krankengeld von der Krankenversicherung. Wobei die Höhe des Krankengeld beim Midijob sich durch den Verdienst der letzten 4 Wochen vor der Erkrankung bestimmt und max. 70 Prozent des Bruttolohns bzw. max. 90 Prozent des Nettolohns beträgt.
 

Arbeitslosenversicherung und Midijob:

Der Arbeitnehmer im Midijob ist im Falle einer Arbeitslosigkeit regulär versichert. Nach spätestens 12 Monaten Tätigkeit im Midijob entstehen Ansprüche auf Arbeitslosengeld I (ALG I).
Die Höhe des Arbeitslosengelds liegt bei 60 Prozent bzw. 67 Prozent (wenn Kinder vorhanden) des durchschnittlichen Nettoverdienstes im Midijob der letzten 12 Monate.
Daneben erwirbt der Arbeitnehmer im Midijob weitere Ansprüche der Arbeitsagentur wie Insolvenzgeld, Kurzarbeitergeld, Hilfen für Weiterbildung oder auch Gründungszuschuss im Falle einer hauptberuflichen Existenzgründung.
Ebenfalls entstehen im Midijob Ansprüche auf sog. Teilarbeitslosengeld, wenn der Midijobber mehreren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen nachgeht und eine Tätigkeit davon verliert.
 

Unfallversicherung im Midijob:

Auch im Midijob ist der Arbeitnehmer wie jeder Angestellte in einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.
Der Arbeitgeber im Midijob bezahlt dabei die Beiträge an die Berufsgenossenschaft bzw. an die Unfallkasse auf Basis der Verdiensthöhe des Midijobbers.
 
 

Kombination anderer Beschäftigungsverhältnisse mit einem Midijob:

 
Solange sich die gesamte Verdienstsumme in der Gleitzone zwischen 400,01 und 800 Euro befindet, können mehrere Midijobs ausgeübt werden.
 
Besteht dagegen bereits ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit mehr als 800 Euro Verdienst, ist eine Tätigkeit in Form der Regelungen eines Midijobs nicht möglich. Vielmehr wird in diesem Fall der Verdienst aus den Tätigkeiten sozialversicherungspflichtig zusammengefasst. Somit werden Einkommen aus einem Midijob wie Überstunden im regulären Job gewertet. Die reduzierten Sozialabgaben können nicht genutzt werden.
 
Beamte und Selbständige können den Minijob als einziges sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu ihrem Vorteil nutzen. Die Regelungen des Midijobs sind insbesondere für Selbständige ideal, die sich auf diese Weise mit vergleichsweise geringem Aufwand über die Sozialversicherungskassen absichern können.
Der Midijob ist mit einer selbständigen Nebentätigkeit sowie einer Übungsleiterpauschale problemlos kombinierbar.
 
Ein Midijob lässt sich mit einem Minijob ebenfalls gut kombinieren. Unabhängig vom Midijob können parallel durch einen Minijob 4.800 Euro jährlich steuer- und sozialabgabenfrei (Pauschale für Steuer- und Sozialabgaben wird durch Arbeitgeber entrichtet) verdient werden.
 
Ein Midijob lässt sich ebenfalls mit einer kurzfristigen Beschäftigung kombinieren. Voraussetzung ist, dass der Midijob nicht beim gleichen Arbeitgeber wie die kurzfristige Beschäftigung oder der Minijob erfolgt.
 
 

Anmeldung Midijob:

Die Anmeldung eines Midijobs läuft etwas aufwändiger als bei einem Minijob, bei dem der Anmeldeprozess komplett über die Minijob-Zentrale geregelt wird.
Der Arbeitgeber muss den Midijob bei sämtlichen Sozialversicherungen anmelden und mit den entsprechenden Sozialversicherungsträgern abrechnen.
Die Besteuerung eines Midijobs läuft wie bei sonstigen sozialversicherungspflichten Beschäftigungsverhältnissen über die Steuerkarte.
Der Arbeitergeber im Midijob ist verpflichtet dem Arbeitgeber mitzuteilen wenn die Verdienstgrenze von 800 Euro im Monat bzw. 9.600 Euro z.B. durch einen weiteren Midijob überschritten wird. Denn bei einem Überschreiten werden die vollen Sozialversicherungsbeiträge fällig. Wurden diese nicht entrichtet, werden Nachzahlungen fällig.